Mittwochsbilder

Ein Dialog in Bild und Text

05.08.2020

Liebe Kathrine!

Wie gerne wäre ich heute unterwegs zu neuen Orten. Stattdessen toure ich heute, durch mein gewohntes Viertel, Alltägliches erledigen und dem Gewohnten vielleicht noch etwas Neues abringen...
Beide heutigen Bilder sind während des 'lockdowns' entstanden, wo auch nichts anderes möglich war.
 

Liebe Silke,

Woche für Woche komme ich hier weiter an. Im Supermarkt vergleiche ich immer noch was die Waren zu Hause also in Hamburg kosten; aber auf dem Weg zurück in der zweiten Kurve links abbiegen ist inzwischen auch zu Hause.

Diese Woche gibt es zwei Bilder aus dem neuen Alltag. Wir hatten viel Besuch, einer hat Blumen gepflückt, ein anderer Wachteleier mitgebracht. Die Eier stehen im Schuppen auf der Gefriertruhe. Nachmittags kochen wir oft große Portionen und füllen die Truhe für die erste Zeit mit Baby.

29.07.2020

Liebe Kathrine!

Ich habe über das Abbilden der Natur nachgedacht und Deine Bedenken. Vielleicht ist der Wunsch das Schöne festzuhalten so groß und in meinem Fall die momentane Sehnsucht nach Natur. Dein erstes Kornfeld hat mich an einen Sternenhimmel erinnert und ich hätte sehr gerne mit einem solchen Foto reagiert. Stattdessen gibt es ein Souvenir vom letzten Wochenende vom frankfurter Umland. Ich habe der Natur immer etwas vom Menschen geschaffenes hinzugefügt. Da ich dort auch eher 'Kulturlandschaft' als 'echte' Natur vorgefunden habe passt das auch zum erlebten. Vom Norden kommend habe ich es doch als eine andere Welt wahrgenommen und zeitweise konnte ich mir einbilden im Süden zu sein.

Lustiger Weise drückt dieses Bildpaar auch meinen Wunsch aus einmal New York zu sehen, das ist mir gerade aufgefallen....

 

 

 

 

 

 

Liebe Silke,

Spannend, die gleichzeite Sehnsucht nach Natur und absoluter Großstadt. Wir landen ja dann in den Vororten und z.B. bei deinem Einfahrt Bild von vorletzer Woche. Der Wunsch nach urbanem Umfeld und Naturerlebnissen scheint universell, aber was dabei entsteht wirkt oft konstruiert und künstlich.

Um meiner Natur-Abbildungs-Krise etwas entgegen zu setzen war ich diese Woche im lokalen Industrigebiet unterwegs.

22.07.2020

Liebe Kathrine!

Wir waren am Wochenende auf dem Land und im See schwimmen. Das war der bisher schönste Sommertag und ich brenne darauf wieder zu dem See zu fahren. Es war der perfekte Ort! Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie glücklich ich nach dem Baden bin. Erstaunlich ist allerdings auch wie selten das vorkommt... In der Natur ist es wunderschön und ich hadere nicht, so bald allerdings ein gewisser Gestaltungswille erkennbar ist finde ich es schwierig in diesem Land. Ein tönener Adler, Blumenrabatten und seltsamer Zierrat verstören mich. Da beneide ich Dich um Dein Dänemark, wo Design zum allgemeinen Bildungsgut gehört.

Liebe Silke,

Ich hadere diese Woche mit den Naturbildern. Im Kunstunterricht in der Schule haben wir uns ein Semester mit Land art beschäftigt und ich habe mich immerzu aufgeregt weil ich die Natur an sich als genug empfunden habe. Beim Abfotografieren von Natur wiederum geht viel an Sinneseindrücken verloren. Reicht der Impuls, reicht ‚oh, ist das schön‘ um ein Bild daraus zu machen, muss ich etwas hinzufügen?

Hier auf jeden Fall zwei Bilder von Kornfeldern. Ein Motiv bei dem ich durch die Jahre immer wieder dem Impuls zu Fotografieren folge.

15.07.2020

Liebe Silke,

Nach Umzug und Ankommen bin ich jetzt im Warten. Warten auf das Kind und einen neuen Alltag. Die Schwangerschaft nimmt im Körper und im Kopf viel Platz ein. Das Bild ist diese Woche wieder von dem Abendlicht im Wohnzimmer, das wird sicherlich noch oft auftauchen.

Liebe Kathrine!

Das Licht in Eurem Wohnzimmer ist wirklich magisch! Gerne würde ich mich persönlich und vor Ort, davon überzeugen.

Wir haben ja letztes Wochenende am Stadtrand eingehütet und das ist immer wie ein kleiner Urlaub. Gleichzeitig stelle ich mir immer die Frage ob ich auch aus der Innenstadt raus muss oder ob ich da genau richtig bin. Meine Bilder zeigen genau den Zwiespalt mit dem ich das Leben in der 'Vorstadt' sehe. Die Idylle aber auch den Horror...

Einstweilen sitze ich also weiterhin in meinem städtischen Arbeitszimmer, ohne Immobilie, mit Sehnsucht nach Kirschen vor meinem Fenster.

08.07.2020

Liebe Kathrine!

Heute gibt es schon wieder einen Ausblick. Dieses Mal von der anderen Elbseite auf die Stadt, auf das Viertel wo ich wohne, bzw Deinen alten Wohnort. Es ist immer interessant wie anders Hamburg ist, wenn man die Elbe überquert und das Zentrum ganz weit weg erscheint. Auch scheint das Representative plötzlich weniger relevant zu sein. Es gibt Kleingewerbe, Wildnis, Raum und die Betriebsamkeit ist ganz anders. Dein Blick auf Hamburg hat sich bestimmt auch schon verändert. Es ist ja jetzt eine Art von Rückblick auf eine andere Zeit, ein anderes Leben.

Liebe Silke,

So langsam fange ich an die Umgebung zu erkunden, nicht nur an den Straßen entlang zu gehen, sondern auch die kleinen Abkürzungen durch die Viertel auszuprobieren.

Montag Abend wollte ich schauen ob an der Seite eines Fussballfeldes ein Pfad durch geht, erst habe ich nur ein Eingangstor zu einem Garten gefunden und dann realisiert, dass unser Garten direkt daneben liegt. So bin ich durch ein Loch in der Hecke nach Hause gekommen.

01.07.2020

Liebe Silke,

Dramaturgisch passt es im Moment immer sehr gut mit dem Mittwoch.
Letzte Woche Umzug, diese Woche melden wir uns offiziell in Dänemark an.
Auf meinem Bild siehst du heute meinen Blick vom Sofa auf die Kirche.
Aus dem Bett im Gästezimmer kann man übrigens eine schöne Birke sehen.

Liebe Kathrine!

Was ist das für ein schöner, friedlicher Blick! Ich freue mich, dass Du über das Gästezimmer schreibst, ich könnte sofort losfahren.
Mein Ausblick bzw meine Fensteransicht ist von letzter Woche, als es so heiss war. Wir haben versucht die Sonne, die Hitze und den Lärm der zwei Baustellen auszusperren. Die Lichter auf dem Vorhang sehen aus wie eine Musikpartitur oder eine Kalligrafie. Der diesjährige Sommerhit.
Heute ist es kühler und grauer, ein richtiger Bürotag. Den habe ich mit einem Computerabsturz begonnen und nun geht es hoffentlich besser weiter.

24.06.2020

Liebe Kathrine!

Heute ist nun Dein Umzug nach Dänemark. Es ist ein wunderbarer Sommertag, ideal um an einem Ort anzukommen und etwas Neues zu beginnen. Ich habe mich für ein älteres Bild entschieden, den Blick vom Michel in der sommerlichen Abenddämmerung. Es erinnert an den Blick aus dem Flugzeug beim Start oder Landung. Es zeigt auch gleichzeitig warum Du gehst und ich bleibe - die große Stadt.

Liebe Silke,

Hier ein Bild von dem schönen Licht in unserem neuen Wohnzimmer.
Für mehr Worte reicht meine Energie nach dem langen Umzugstag nicht.
 

17.06.2020

Liebe Kathrine!

Heute fällt es mir sehr schwer. Wir hatten unseren letzten gemeinsamen Mittwochstermin, zumindest vorerst. Wir haben lange gemeinsame Jahre hinter uns und sowohl unsere Freundschaft als auch unsere Arbeitsbeziehung hat sich natürlich stetig verändert und entwickelt. ich bin gespannt wie es als Fernbeziehung weitergeht und überhaupt gespannt wie sich die nächste Zeit bei uns Beiden gestaltet.

Liebe Silke,

Meine beiden Bilder heute sind von den zufälligen Installationen die sich hier im Umzug durch das Packen und Abbauen ergeben.

Mit den Worten fällt es mir heute auch extra schwer. Ich kann mir kaum vorstellen nächste Woche in einem Haus in einem Dorf in einem anderen Land zu sitzen und dann einfach dort zu wohnen.

10.06.2020

Liebe Kathrine!

Nachdenken über Heimat, Familie und Freundschaft, Halten und loslassen. Was bedeutet Bleiben? Ist es immer ein Zurückbleiben?

Dieses Foto habe ich gestern Abend an einem meiner liebsten Orte in Hamburg gemacht. Allerdings bin ich diesen versteckten Weg zum ersten Mal gegangen.

Das Thema von Licht und Schatten auf einem baumstamm habe ich vor einem Jahr in Athen auch fotografiert. Im Gegensatz dazu ist dieser Baum entwurzelt und ich bin hier auch im Bild.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Silke,

Eigentlich hatte ich ein Bild angekündigt, dass ich 2006 gemacht habe kurz bevor ich das erste mal nach Dänemark gezogen bin, aber das Umzugschaos hat um sich gegriffen und die alten Festplatten sind verstaut.

Damals war viel Platz und Zeit den Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt zu zelebrieren, aktuell arbeite ich To-Do-Listen ab, einen Tag nach dem anderen. Umso schöner den Tag heute gemeinsam zu beginnen, ein paar Fotos zu machen, im Café zu sitzen und dem Abschied etwas Raum zu lassen. Hier mein Bild von der sonderbar platzierten Absperrung die Dir vorhin bei Planten un Blomen aufgefallen ist.

 

03.06.2020

Liebe Silke,

An den Tag heute habe ich große Erwartungen.
Morgens geht es los mit einem Scan, bei dem sich hoffentlich das Kind zeigt, danach geht es direkt weiter nach Dänemark um ein Haus anzuschauen in das wir hoffentlich in einigen Wochen einziehen können und wollen.

Das Bild ist kurz vor Jahreswechsel entstanden, auf dem Weg raus vom Arzt nachdem meine Schwangerschaft bestätigt wurde.

Liebe Kathrine!

Große Erwartungen, darüber habe ich sehr nachdenken müsse. In Deinem Fall völlig klar - und ich hoffe sehr, dass sie sich erfüllen werden.

In meinem Fall sind diese viel diffuser. Ein Haus und eine Familie habe ich mir nie gewünscht oder immer nur mal kurz ohne Ernst damit zu machen. Habe ich am Ende gar keine großen Erwartungen? Das frage ich mich schon eine ganze Weile. Sind meine Erwartungen eher klein? Ich habe eigentlich täglich welche, vor allem an mich selbst. Auf jeden Fall sind sie da, die großen Lebensfragen. Ich antworte, mal wieder mit zwei Bildern, die wohl er die Erfüllung kleinerer Erwartungen illustrieren und mich für den Moment glücklich gemacht haben.

27.05.20

Liebe Kathrine!

Ich bin mal wieder unterwegs gewesen, mal wieder in der Vorstadt. Dieses Mal in Bergedorf. Habe viele kleine Dinge entdeckt und bin eine Kastanienallee (rot) entlang geschlendert.

Letztes Jahr haben wir zusammen das Grün von Athen erkundet, was so anders war als der unglaublich grüne Mai in Hamburg. Ich habe schon wieder zwei Bilder ausgesucht, die sich beide mit Paaren beschäftigen. Eigentlich ist ja drei immer die angeblich bessere Kombination aber ich finde zwei in diesem Fall auch interessant. Außerdem geht’s ja auch um uns zwei. Meine Bildpaare sind auch ausgesprochen feminin, lustig oder?

Es sind zwar Paare, aber sie sind nicht wirklich zusammen... das ist mir erst beim Nachdenken über meine Auswahl klargeworden.

Liebe Silke,

Für diese Woche bin ich die Bilder von unseren Corona Exkursionen durchgegangen und habe ein Bild von der St. Nikolai Kirche und der Baustelle daneben ausgesucht. Wie schön, dass wir die Mittwoche in der Zeit wo wir uns nicht gemeinsam an den Schreibtisch setzten durften mit Fotografieren verbracht haben.
An diesem Tag hatte ich nach dem Fotografieren das Gefühl wir waren richtig unterwegs, dabei haben wir uns von unserer Nachbarschaft kaum einen Kilometer entfernt.

20.05.20

Liebe Kathrine, wie kann ein erstes Bild den Beginn unseres neuen Projekts aussehen und was sollte es ausdrücken.
Es ist ja der Übergang von einer Freundschaft und Arbeitsgemeinschaft in der Nachbarschaft zu einer Fernbeziehung.
Bei Dir wird sich auf jeden Fall viel ändern was offensichtlich ist. Bald wird Dein Kind geboren sein, Du wirst zurück in Deinem Heimatland (?) sein und vermutlich ein Haus mit Garten bewohnen. Bei mir bleibt äußerlich alles beim Alten. Interessanter Weise verlassen gerade mehrere Freunde von mir die Stadt, so dass es eine Zeit des Abschiednehmens ist und der Neuorientierung. Künstlerisch werde ich versuchen selbstständiger zu sein und/oder neue Partnerschaften ausprobieren. Mit ersterem habe ich schon zaghaft begonnen.
Wie kann ich das fotografisch ausdrücken?

Ich habe zwei Bilder ausgesucht die sowohl Begrenzungen zeigen als auch die Möglichkeit Ihnen zu entkommen bzw mit Ihnen zu agieren.
Die Golfanlage fasziniert mich auch als ein Ort in Hamburg, den ich noch nicht kannte. In den Mittwochsbildern möchte ich auch etwas über Hamburg erzählen als die Stadt in der ich lebe. Solche Entdeckungen versöhnen mich mit dem Gedanken zurückzubleiben. Es ist eine dieser Parallelwelten, ich kann kein Golfspielen. Aber die Schönheit der Netze in den Bäumen und der hohe Raum begeistert mich. Der Zaun soll die fliegenden Bälle aufhalten, ich kann und will Dich nicht aufhalten, was Du machst ist richtig. Mit meiner Trauer werde ich umgehen lernen. Vielleicht lerne ich Golfspielen;)
Das andere Bild knüpft an unser Gebüsch-Projekt an und zeigt das unerwartet Schöne am Wegesrand, das uns überall begegnen kann. Dieses ist zartrosa, eine schöne Farbe für einen Neubeginn.

Liebe Silke,

Ich schicke Dir ein Bild von einer Reißzwecke und Lichtstrahlen auf der Wand neben meinem Bett. Dort habe ich letztes Jahr im Herbst eine Postkarte und einen kleinen gewebten Teppich abgenommen mit dem Wunsch Platz für Neues zu machen. Mehr als den Abschied von kleinen Dingen wie tollem Schlafzimmerlicht kann ich noch nicht begreifen.